Pressespiegel:
Stolberg, 02. Januar 2012
In seiner Doppelrolle fühlt er sich wohl
Martin Peters arbeitet als Gewerkschaftssekretär für die IG Metall und macht für die SPD Politik in Stolberg und der Städteregion
Stolberg. Politiker oder Gewerkschaftler? Auf diese Frage gibt es für Martin Peters nur eine Antwort: "Beides!". Der 28-Jährige ist als hauptamtlicher Sekretär der IG Metall in Stolberg, Eschweiler und Düren tätig, und auch für die SPD engagiert er sich gleich an mehreren Stellen: in seiner Heimatstadt und im Unterbezirk Kreis Aachen jeweils als Parteivorsitzender und in der Städteregion als Mitglied des Städteregionstages und Vorsitzender des Schulausschusses. Wo seine Schwerpunkte im neuen Jahr liegen werden und wie die Planungen darüber hinaus aussehen, hat Peters im Gespräch mit unserer Zeitung verraten.
Sie haben die Lehramtslaufbahn zugunsten einer Anstellung bei der IG Metall aufgegeben. Wie fällt die Zwischenbilanz nach den ersten acht Monaten als Gewerkschaftssekretär aus? Peters: Ich habe eine ganze Menge gelernt und sehr viel Spaß gehabt. In Stolberg und Eschweiler gibt es eine sehr engagierte IG Metall-Jugend. Hier lag ein Schwerpunkt meiner Arbeit. Darüber hinaus habe ich hauptsächlich die Kollegen bei der Firma CAE betreut, wo ja von der Geschäftsführung ein Stellenabbau in großem Umfang angekündigt worden ist.
Mit CAE haben Sie gleich das Unternehmen mit der zweitgrößten Beschäftigtenzahl im Bereich Ihrer Verwaltungsstelle (rund 540, Anm. d. Redaktion) übernommen. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge aus Ihrer Sicht?
Peters: Ich glaube, dass wir gemeinsam mit der Arbeitsgruppe des Betriebsrates einen guten Job gemacht haben. 45 Mitarbeiter haben aus freien Stücken gekündigt, weil sie eine neue Stelle gefunden haben. Damit ist bereits ein Drittel des von CAE angekündigten Stellenabbaus sozialverträglich geregelt. Wir stellen aber nach wie vor in Frage, dass tatsächlich fast 150 Stellen gestrichen werden müssen. Darüber wird in den nächsten Monaten weiter zu verhandeln sein.
Sie erfahren einen hohen Zuspruch bei der Gewerkschaftsjugend, wie ist die Resonanz auf einen 28-Jährigen bei den älteren Kollegen?
Peters: Manchmal ist mir eine gewisse Skepsis entgegengebracht worden. Doch bei denen, die mit mir zusammengearbeitet haben, ist sie dann meistens gewichen.
Im Frühjahr stehen in der Metall- und Elektroindustrie Tarifverhandlungen an. Mit welchem Ziel gehen Sie in diese?
Peters: Wenn ich mich Mitte nächsten Jahres vor die Jugendversammlung stellen und sagen kann, dass wir die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden erreicht haben, dann haben wir das aus meiner Sicht wichtigste Ziel erreicht. Von der Notwendigkeit einer solch tarifvertraglich fixierten Regelung bin ich hochgradig überzeugt. Auf örtlicher Ebene können wir auf die Tarifverhandlungen natürlich nur bedingt Einfluss nehmen. Aber mit über 400 Mitgliedern ist die IG Metall-Jugend immerhin der größte Jugendverband in Stolberg. Und wir wollen noch zulegen.
Neben dem Gewerkschaftssekretär Martin Peters gibt es auch noch den SPD-Politiker Martin Peters. Wie lässt sich das vereinbaren?
Peters: Inhaltlich wird das von mir klar getrennt, und zeitlich lässt sich das mit viel Aufwand gut miteinander vereinbaren. Aber Priorität hat natürlich der Job.
Als Vorsitzender des Stolberger Stadtverbandes sind Sie am 30. November ohne Gegenstimme wiedergewählt worden. Ist dieses überragende Ergebnis ein Anreiz, sich wieder verstärkt in die Politik in Stolberg einzumischen?
Peters: Ich bin ja nie aus Stolberg weg gewesen, auch wenn ich in dieser Legislaturperiode kein Ratsmandat besitze. Ich habe immer an den montäglichen Fraktionssitzungen und natürlich auch an den Sitzungen des Parteivorstandes teilgenommen. Nicht nur wegen des Wahlergebnisses, sondern vor allem aufgrund der Berufung in den sechsköpfigen, gemeinsamen Koalitionsausschuss mit der CDU bin ich jetzt wieder sehr nah am Tagesgeschehen und der Ratspolitik dran.
Wäre es da nicht folgerichtig, wenn Sie nachträglich noch in den Stadtrat ziehen würden?
Peters: Nein, meine Arbeit kann ich auch aus der Position des Stolberger Parteivorsitzenden heraus sehr gut machen.
Könnten Sie sich auch die Arbeit als Bürgermeister vorstellen?
Peters: Stolberg hat mit Ferdi Gatz-weiler einen sehr guten Bürgermeister. Deswegen muss man auch über dreieinhalb Jahre vor dem Wahltermin nicht darüber diskutieren, ob ihn jemand beerben wird und falls ja, wer das sein sollte.
Bei der Wahl 2009 haben Sie den erhofften Einzug in den Deutschen Bundestag verpasst. Werden Sie 2013 noch einmal für Berlin kandidieren?
Peters: Ich denke, dass ich Mitte nächsten Jahres als Parteivorsitzende im Unterbezirk einen Vorschlag machen werde. Spätestens dann werde ich mich auch zu meiner persönlichen Entscheidung äußern.
Wenn Sie einen Wunsch für Stolberg frei hätten, wie würde dieser lauten?
Peters: Ich würde mir wünschen, dass es uns gelingt, die Weichen so zu stellen, dass Stolberg finanziell wieder handlungsfähig wird. Denn wenn es keine Handlungsspielräume geben sollte, dann steht Stolberg eine ganz schwere Zukunft bevor.
Quelle: STZ vom 02.01.12