Pressespiegel:

  • Stolberg, 06. September 2016

Wenn der alte Toaster zu gut zum Wegwerfen ist

Ausschuss für Soziales und Generationengerechtigkeit spricht heute über die Einrichtung einer „Schatzkiste“ zum Austausch von Gebrauchsgegenständen
Fernseher

Foto: STZ.
Stolberg. Wohin mit dem alten Fernseher, wenn gerade der neue Flachbildschirm im Wohnzimmer eingezogen ist? Was passiert mit dem Toaster, der zwar noch in Ordnung ist, aber vielleicht nicht mehr zur neuen Küche passt? Sie gehören in die Kategorie „zu schade zum Wegwerfen“. Ausgemusterte Haushaltsgegenstände und Elektrogeräte führen oft ein Schattendasein auf Dachböden oder in Kellergeschossen. Damit soll in Stolberg nun Schluss sein: Der Ausschuss für Soziales und Generationengerechtigkeit spricht heute über die Einrichtung einer sogenannten „Schatzkiste“, einer Tauschstation für gebrauchte Gegenstände.

„Die Idee für so eine Station kam mir um die Weihnachtszeit“, erklärt Arndt Kohn von der Stolberger SPD. Viele Menschen bekommen zu Weihnachten neue Haushaltsgeräte geschenkt, obwohl die alten noch funktionieren, erklärt er. Und nicht immer lohne sich der Wiederverkauf der Altgeräte, beispielsweise auf dem Flohmarkt oder über das Internet. „Das betrifft vor allem Dinge wie alte Röhrenfernseher“, sagt Kohn. Und ihm missfiel der Gedanke, dass Geräte auf dem Wertstoffhof landen, wenn andere Leute sie noch brauchen könnten. „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Es wäre schön, das einzudämmen“, erklärt Kohn.

Verwaltung hat sich engagiert

So hat seine Fraktion dann einen entsprechenden Antrag gestellt, so eine Schatzkiste im Stolberger Stadtgebiet aufzustellen. „Paul Schäfermeier vom städtischen Sozialamt hat sich sehr engagiert um das Thema gekümmert“, sagt Kohn. Von Kohns Idee ausgehend hat die Kupferstädter Stadtverwaltung folgende konkrete Planung erarbeitet: Auf dem Gelände des Vereins für Soziale Dienste in Stolberg (SKM) im Stadtteil Münsterbusch soll die Schatzkiste aufgestellt werden. Hier kann jeder ausgediente, funktionstüchtige Gebrauchsgegenstände abgeben, die er nicht mehr selbst braucht. Und jeder Stolberger hat die Möglichkeit, sich hier im Bedarfsfall zu bedienen. Dabei geht es – anders als beispielsweise bei der Stolberger Tafel – nicht unbedingt darum, dass nur finanziell schwächer gestellte Mitbürger von dem System profitieren. „Grundsätzlich soll jeder die Möglichkeit haben, hier etwas mitzunehmen, das er gebrauchen kann“, sagt Arndt Kohn.

Die Geschäftsstelle von SKM liegt an der Foxiusstraße, in unmittelbarer Nähe zum E-Center. Während der SKM-Öffnungszeiten soll die Schatzkiste dann öffentlich zugänglich sein. Außerhalb der Öffnungszeiten ist das Gartentor zum Gelände verschlossen. „So können dann die SKM-Mitarbeiter ein Auge darauf haben, dass rund um die Schatzkiste kein Unfug angestellt wird“, sagt Arndt Kohn. Er ist mit der Auswahl des Standorts sehr zufrieden: „Auf der einen Seite ist es schon gut, dass die Kiste tagsüber nicht völlig ohne Aufsicht ist“, sagt er. Auf der anderen Seite sei es sinnvoll, die Kiste inmitten eines Wohnquartiers zu stellen, damit die Menschen direkt dorthin gehen können, wenn sie etwas benötigen.

„Und Leute, die vielleicht zum Einkaufen nach Münsterbusch kommen, haben es auch nicht weit, wenn sie etwas altes abgeben möchten“, sagt Arndt Kohn. Was das ist, bleibt den Spendern völlig offen: „Das können Haushaltsgeräte sein, aber auch CDs oder DVDs. Eben alles, was man nicht mehr braucht, was aber für andere Menschen noch nützlich sein könnte“, erklärt Arndt Kohn.

Wie gut die Stolberger Bürger die Wunderkiste annehmen, und mit welcher Frequenz Gebrauchsgegenstände hier den Besitzer wechseln werden, das soll die Zeit zeigen: Geplant ist, die Kiste erst einmal für einen Probezeitraum von einem Jahr anzubieten. Auch darüber, wie man sich über „neue Ware“ in der Kiste informieren kann, muss noch nachgedacht werden. Denkbar wäre beispielsweise eine Facebook-Seite mit Updates, sobald jemand etwas in die Kiste legt.

Wenn sich das System bewährt, kann die Einrichtung in die Verlängerung gehen. „Wenn wir dann aber feststellen, dass das mit einer Menge Arbeit für die SKM-Mitarbeiter verbunden ist, dann müssen wir uns vielleicht etwas anderes überlegen.“ Davon geht Arndt Kohn derzeit aber nicht aus. Eher davon, dass man im Falle eines großen Erfolgs auch in anderen Stolberger Stadtteilen ähnliche Kisten aufstellen kann. Auch wenn viele Stolberger schon im Zuge der Flüchtlingskrise viele Kleidungsstücke oder Haushaltsgegenstände gespendet haben, ist Kohn sich sicher, dass in vielen Häusern noch gut funktionierende Geräte auf dem Dachboden schlummern. „Und das nächste Weihnachten kommt bestimmt“, sagt er lachend. Klappt alles nach Plan, könnte die Schatzkiste schon bald stehen: „Angedacht ist, dass sie vor dem Weihnachtsgeschäft steht und in Betrieb ist“, sagt Arndt Kohn. Eine offizielle Eröffnungsfeier soll es ebenfalls noch geben.

Ein neues Heim für Bücher

Auch für ausrangierte Bücher wird es in Stolberg bald einen passenden Tausch- und Sammelplatz geben: Der Verein Lit.Eifel hat kürzlich fünf ausgediente Telefonzellen künstlerisch gestalten und zu Bücherregalen umbauen lassen. Eine der fünf alten Zellen hat die Kupferstadt gewonnen.

Quelle: STZ vom 06.09.16