Pressespiegel:

  • 15. Mai 2017

SPD trotzt in der Städteregion dem Landestrend

Die Landtagswahl 2017 Ergebnisse

Grafik:ZVA Stand 23.40
Städteregion. Die wichtigste Botschaft des Abends wurde bereits wenige Sekunden nach 18 Uhr mit der ersten Prognose verbreitet: „Die rot-grüne Landesregierung ist abgewählt“, hieß es auf allen Kanälen. In dieser Deutlichkeit hatte das in den städteregionalen Fraktionen offenbar niemand erwartet. Entsprechend groß war die Enttäuschung bei der SPD und der Jubel bei der CDU, die gleich die ersten Korken im Haus der Städteregion knallen ließ. Das allerdings sollte nur eine Momentaufnahme sein an diesem denkwürdigen Abend, in dessen Verlauf noch so manches anders kam, als es der Landestrend zunächst hatte vermuten lassen.

Denn als nach langem Warten auch in den letzten Stimmbezirken die (wiederholte) Auszählung beendet war, stand bei den Christdemokraten Selters statt Sekt hoch im Kurs. Der Grund: Dem katastrophalen Gesamtergebnis zum Trotz sicherte sich die SPD in drei von vier Wahlbezirken der Städteregion das Direktmandat. Ziemlich souverän setzte sich Eva-Maria Voigt-Küppers im Wahlkreis Aachen III (Nordkreis) mit 40,0 Prozent erneut gegen ihren CDU-Kontrahenten Hendrik Schmitz (36,2) durch, der damit ebenso aus dem Landtag ausscheiden wird wie Axel Wirtz. Der Stolberger, seit dem 1. Oktober 1999 ohne Unterbrechung als Abgeordneter in Düsseldorf und dort viele Jahre Vorsitzender des Sportausschusses, lieferte sich im Bezirk Aachen IV (Süd) ein an Spannung kaum zu überbietendes Rennen mit Stefan Kämmerling (SPD) und musste sich am Ende hauchdünn mit einem Rückstand von 306 Stimmen und 0,42 Prozentpunkten geschlagen geben. Es war bereits kurz nach 22 Uhr, als die letzten Meldungen aus Stolberg und Eschweiler eintrafen und Städteregionsrat Helmut Etschenberg als Wahlleiter schließlich das offizielle Ergebnis verkünden konnte.

Zu diesem Zeitpunkt war Eva-Maria Voigt-Küppers, die sich ihres Sieges schon eine Stunde früher sicher sein konnte, schon nicht mehr im Haus der Städteregion. „Ich werde auch in den nächsten fünf Jahren Ansprechpartner für alle sein“, hatte sie vor der Abfahrt noch versprochen. „Denn mir geht es um die Menschen in dieser Region.“

Nicht sonderlich gut lief es für die CDU auch in der Stadt Aachen, wo der CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch um das Direktmandat bangen musste und die städteregionale Fraktionsvorsitzende Ulla Thönnissen dieses bereits verfehlt hatte. Strahlender Wahlsieger war hier Karl Schult-heis, der erstmals 1985 in den Landtag eingezogen war und dies nun ein weiteres Mal tun wird.

Zu den Gewinnern des Abends zählte auch Werner Pfeil (FDP). Der Jurist aus Stolberg blieb im Wahlkreis Aachen III mit 7,7 Prozent zwar klar unter dem Landesergebnis seiner Partei, zieht aber dank des Listenplatzes 12 gleich bei seinem ersten Versuch in den Landtag ein. „Mein Resultat ist schön, das meiner Partei ist klasse“, strahlte der 51-Jährige, der als einziger Kandidat im Haus der Städteregion frühzeitig Gewissheit über seine Zukunft hatte. Wirklich überrascht sei er nicht, versicherte Pfeil gegenüber unserer Zeitung. „Wir haben die gute Stimmung an den Ständen gespürt. Und nach der Wahl in Schleswig-Holstein haben wir schon auf ein zweistelliges Ergebnis gehofft.“

Gute Stimmung und Rückenwind hatte nach Aussage von Axel Wirtz auch die CDU in der Städteregion ausgelöst. Und das habe sich auf das Wahlergebnis niedergeschlagen. „Hendrik Schmitz hat gegenüber 2012 über 9000 Stimmen mehr erhalten, bei mir waren es gut 4000.“ Ihm persönlich sei wohl das „enorm starke SPD-Ergebnis in Eschweiler“ zum Verhängnis geworden. Und so konnte der 59-Jährige am Ende seiner fast 18-jährigen Landtagslaufbahn nur traurig feststellen: „Wir haben wahnsinnig aufgeholt, aber es hat am Ende leider nicht gereicht.“

Dass er keine Aussicht haben würde, über die Landesliste noch einmal in den Landtag einzuziehen, war dem 59-Jährigen bei seinem Verzicht zugunsten von Hendrik Schmitz im vergangenen September durchaus klar gewesen. Doch auch der daraus resultierende Platz 16 für den 39-Jährigen aus Baesweiler konnte Schlimmeres nicht verhindern, weil die Liste wohl nicht zum Zuge kommt.

Quelle: STZ vom 15.05.17