Pressespiegel:

  • 15. Juni 2017

Haas: „Das Team ist unsere große Stärke“

Neuer Fraktionvorstand 2017

Foto: J. Lange
Stolberg. „Nein“, sagt Patrick Haas noch einmal auf Nachfrage. Diese Wahl ist noch keine Festlegung auf eine Kandidatur als Bürgermeister. „Bis 2020 bleibt noch viel Zeit“, erklärt der neue Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion. Selbstverständlich würde den 35-Jährigen, der zudem den Stadtverband seiner Partei führt, politisch eine solche Kandidatur reizen. Aber es gebe auch vieles zu bedenken, sagt der frischgebackene Vater, der seinen Beruf als Lehrer an einem Gymnasium mit Begeisterung ausübt. In jedem Fall ist jetzt nicht der Zeitpunkt, über einen Wahlkampf in drei Jahren zu spekulieren, sondern um die Weichen zu stellen. Und für die Stolberger SPD geht die Reise eindeutig hin zur Teambildung.

Aufbau nach dem Desaster

Das gilt insbesondere für die Leitung der Fraktion, die einen Generationenwandel einstimmig eingeleitet hat. „Es ist eine gewisse Verjüngung, aber kein Bruch“, erklärt Haas. Nach 13 Jahren an der Spitze rückt Dieter Wolf als Stellvertreter ins zweite Glied. Das macht nicht nur aus Altersgründen Sinn: „Mit fast 75 Jahren über Stolberg 2030 zu philosophieren klingt wenig glaubwürdig“, sagt Wolf. Führung hat der frühere Geschäftsführer der Stolberger CAE in der Fraktion wie im Beruf ausgeübt: „Ich bin Zentralist“, gesteht der Diplom-Betriebswirt. Aber als Rentner blieb auch die Zeit, sich um all die kleinen Details zu kümmern.

Das mag bei einem jungen Familienvater, der mitten im Berufsleben steht, sicherlich ein wenig anders aussehen. „Es gibt viele junge Leute, die jetzt mit den Hufen scharren“, umschreibt Dieter Wolf die Herausforderung für seinen Nachfolger. „Jetzt ist ein Kontrolleur, der delegieren kann, gefragt.“

Genau darin sieht Patrick Haas auch eine seiner Aufgaben: „Ich setze auf ein schlagkräftiges Team.“ Mit einer solchen Herausforderung hat er als Trainer beim Judo-Bundesligisten Walheim einschlägige Erfahrungen sammeln können. Närrische Erfahrungen wird der designierte Stolberger Prinz erst in der kommenden Session sammeln können, aber auf dem politischen Parkett hat er seit 2004 „die Möglichkeit, in der Fraktion zu lernen“. Dieser Lernprozess führt ihn nicht nur 2015 auf den Stuhl des Parteivorsitzenden, sondern seit 2014 übt Haas das Amt des 2. stellvertretenden Bürgermeisters aus.

„Diese Aufgabe hat mir sehr viel Spaß gemacht“, wie die repräsentativen Verpflichtungen zwischen runden Geburtstagen, guter Stimmung sowie der Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit und erfolgreichen Vereinsengagements. Aber nach der „Beobachterrolle“ will er in Zukunft vermehrt die Herausforderung des Gestalters annehmen – wie gesagt als Job in einem Team. Mit Blick auf Partei und Fraktion sei diese Personalie „mehr als sinnvoll“: Das unterstreichen auch Hanne Zakowski und Hans Nüsser als weiterhin amtierende und Sascha Ciarletta als neuer stellvertretender Vorsitzender sowie Andrea Müller als Kassiererin. Für den 63-jährigen Stellvertreter Peter Jussen, der auf der Ratssitzung am 11. Juli als Nachfolger von Haas zum 2. stellvertretenden Bürgermeister gewählt werden soll, rückt Dieter Wolf in die Stellvertreterriege.

Und dies mache zur Aufrechterhaltung einer kontinuierlichen Arbeit ebenso Sinn. Denn von dem Erfahrungsschatz des langgedienten und mit dem Wesen der Kommunalpolitik tief vertrauten Genossen möchte Patrick Haas noch viel profitieren, während er sich in die Rolle des Vorsitzenden der Fraktion hineinfindet.

Den Blick zurück auf das Jahr 2014 wagt denn auch Dieter Wolf: „Nach dem für uns desaströsen Wahlergebnis war die Truppe demoralisiert.“ Wesentliche Entscheidungsträger hatten erst gar nicht mehr kandidiert oder waren an der Hürde des Wählers gescheitert. „Tragende Säulen waren weggebrochen“, bilanziert Wolf. „Ich habe meine Aufgabe darin gesehen, die Truppe zusammenzuhalten und wieder aufzubauen.“ Heute habe die SPD in Stolberg wieder Fuß gefasst. Dies hätten zuletzt die Landtagswahlen bewiesen. Obwohl der Vergleich zur Kommunalwahl schwierig sei, so habe sie doch die Befürchtung genommen, zur Splitterpartei zu werden. Hatte die SPD 2014 nur drei Wahlkreise gewonnen, so obsiegte sie nun in 24 Stimmbezirken. „Und das hat uns gezeigt, dass sich die Arbeit lohnt“, sagt Dieter Wolf und sieht seine Genossen motiviert und angespornt, 2020 sich „zumindest wieder auf Augenhöhe“ mit der CDU um die Stimme der Wähler bewerben zu können.

Auch wenn Patrick Haas ankündigt, dass sich unter seiner Führung „einige organisatorische Änderungen ergeben“ werden und er „neue Impulse setzen“ möchte, so gibt er sogleich ein klares Bekenntnis zur großen Koalition mit der CDU in Stolberg ab. Aus Sicht der Sozialdemokraten orientiert die sich zum einen an der Einhaltung des Koalitionsvertrages und zum anderen am Wahlprogramm der Partei. Und dabei würde es wirklich schwierig für die SPD, in eine Oppositionsrolle abzudriften.

Denn die wichtigen Eckpfeiler der Entwicklungen in Stolberg tragen vornehmlich „unsere Handschrift“, sagt Patrick Haas. Beispiele sehen er und seine Vertreter im Entwicklungsprojekt für die Tal­achse, im sozialen Wohnungsbau, in der Einführung einer sozialen Beitragsstaffelung für den offenen Grundschulbetrieb, im Klimamanagement, im Umbau der Schul- und Sportlandschaft oder auch in der Gestaltung einer familiengerechten Kommune.

Überraschende Übereinstimmung

Dabei verhehlen die Genossen nicht, dass sie vor drei Jahren bei den Koalitionsgesprächen selbst ein wenig überrascht waren, wie nahe die Christdemokraten mit ihren Ansichten den Vorstellungen der SPD gekommen sind. Eine so große Übereinstimmung vereinfache sicherlich die Zusammenarbeit.

Eine andere Frage sei es, die „inhaltlich gute Arbeit nach außen zu profilieren“, bilanziert Patrick Haas. Getreu dem Motto „tue Gutes und rede darüber“ möchte er an der Außendarstellung der SPD weiter feilen. Damit Erfolge auch honoriert werden mögen. Nun gelte es, weitere „Erfahrungen zu sammeln“, sich mit einer „tollen Mannschaft“ weiter zu profilieren und für die „Kommunalwahlen gut aufzustellen“. Denn so weit weg ist das Wahljahr 2020 dann auch wieder nicht.

„Die einstimmige Wahl ist ein großer Vertrauensvorschuss in mich“, bekennt Patrick Haas und dankt seinem Vorgänger und Stellvertreter: „Dieter Wolf hat eine sehr gute und sich sehr viel Arbeit gemacht. Ich werde viel Arbeit verteilen“, sagt der neue Fraktionsvorsitzende und bekennt: „Das Team ist unsere Stärke.“


„Die einstimmige Wahl ist ein großer Vertrauensvorschuss. Dieter Wolf hat eine sehr gute Arbeit gemacht.“

Patrick Haas,

Neuer SPD-Fraktionsvorsitzender


Quelle: STZ vom 15.06.17