Pressespiegel:

  • 23. Juni 2017

Kein Hausarzt in Schevenhütte, Gressenich und Werth

Artikel Gressenich/Schevenhütte Hausartz

Stolberg. Jeder kennt es: Man ist krank, fühlt sich schlapp und schleppt sich mit letzter Kraft zum Hausarzt. Nur ungern nimmt man in solchen Situationen einen langen Fahrtweg in Kauf. Und das ist in den meisten Fällen auch gar nicht nötig, denn häufig ist der Haus- oder Facharzt nicht weit vom Wohnort entfernt. Anders sieht das bei Bewohnern der Stolberger Stadtteile Schevenhütte, Gressenich und Werth aus, denn dort gibt es schon seit mehreren Jahren keine medizinische Grundversorgung mehr.

Mit diesem Problem beschäftigt sich nun auch die Stadtverwaltung. Nachdem der SPD-Ortsverein Süd am 10. Mai einen Antrag an den Bürgermeister, Dr. Tim Grüttemeier, stellte, in dem er die Verwaltung dazu auffordert, geeignete Maßnahmen zu erarbeiten, um eine medizinische Grundversorgung in den Stadtteilen wieder zu gewährleisten, wird analysiert, wie man die Situation verbessern kann. Die Stadtverwaltung selbst habe keinen Einfluss darauf, in welchen Gebieten Ärzte sich niederlassen, erklärt Robert Voigtsberger, Beigeordneter.

Zuständig ist allerdings die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die eine Zulassungsverordnung für Vertragsärzte und Bedarfsplanung herausgibt. Die KV berechnet anhand der Einwohnerzahl einer Kommune die nötige Anzahl an Haus- und Fachärzten für die gesamte Stadt.

Dabei ist der Blick jedoch nicht auf den Bedarf einzelner Vororte und Stadtteile gerichtet. „Die Vereinigung sieht zusätzlich 3,5 Stellen für Stolberg vor. Damit ist eine Bedarfsdeckung von 110 Prozent gegeben“, erläutert Voigtsberger. Und wo ein Arzt sich niederlässt, das bleibt im Endeffekt ihm selbst überlassen.

Mangel an Versorgung kein Fakt

Bei 110-prozentiger Bedarfsdeckung sei der Mangel an medizinischer Versorgung auch so gesehen kein Fakt: „Er ist im theoretischen Sinne nicht akut. Das heißt aber nicht, dass die subjektive Wahrnehmung, es gebe keinen Arzt in unmittelbarer Nähe, nicht doch ernstzunehmen ist“, betont
Voigtsberger.

Deshalb gelte es jetzt, die Attraktivität der Standorte Gressenich, Schevenhütte und Werth deutlich zu machen, um so neue Ärzte langfristig anzulocken, genau dort eine Praxis zu eröffnen.

Wie genau das geschehen soll, darüber wird im Rathaus gerade diskutiert.

Bei der Gesundheitskonferenz der Städteregion wurde ein Maßnahmenkatalog entwickelt, der nun durchgearbeitet wird. Bald soll entschieden werden, welche Maßnahmen infrage kommen.

„Man muss auch bedenken, welche Möglichkeiten man kommunal hat, um außerhalb der direkten ärztlichen Tätigkeit Verbesserungen zu schaffen“, sagt der Beigeordnete. Hier stehe das „System der Mobilität“ ganz oben auf der Agenda. Dieses müsse eventuell verbessert werden, damit der Weg zum Arzt vor allem Menschen ohne Auto und in höherem Alter leichter gemacht werde.

Auch eine Bürgerbefragung in den betroffenen Stadtteilen hält Voigtsberger für sinnvoll, um herauszufinden, wie die Einwohner die Situation sehen und in inwiefern sie sich Unterstützung in der Arztfrage seitens der Stadt wünschen. (nt)

Quelle: STZ vom 23.06.17