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  • 01. Dezember 2017

Unerledigte Kleinigkeiten ärgern sehr

Sebastianustr. Bushaltestelle

Foto: J. Lange



Stolberg-Atsch. Im Grunde genommen sind es unerledigte Details, aber in der Atsch ärgern diese Kleinigkeiten um so mehr, weil bei den Bewohnern des nördlichsten Stadtteils bereits die unendliche Umbaugeschichte der Sebastianusstraße für sehr großen Unmut gesorgt hat. Dass aber heute immer noch wesentliche Ausstattungsmerkmale fehlen, obwohl bereits seit Wochen die Autos wieder ungehindert über diese Landesstraße 236 rollen, das sorgt selbst bei langgedienten Sozialdemokraten für mehr als ungläubiges Kopfschütteln.

„Die Verwaltung mag ja toll bei unseren epochalen Leuchtturmprojekten arbeiten, aber sie vernachlässigt dabei die wichtigen Kleinigkeiten in den Stadtteilen“, so formuliert Dieter Wolf noch eher staatstragend das, was viele Menschen im Stadtteil fühlen: „Die Atsch ist das Stiefkind“, berichtet der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD über die Gemütslage im Ort.

Die bekommt Ute Herff nicht nur als Ratsdame zu spüren, sondern ihr weht in diesen Tagen auch immer der kalte Wind und Regen an den Bushaltestellen entlang der L236 um die Ohren. Die neuen Wartehäuschen, die an den Haltestellen Hirschfeld / Rehgrund und Nordstraße die bei den Bauarbeiten entfernten, historischen Vorgänger ersetzen sollen, fehlen weiterhin, und an der Haltestelle Kirche ist der moderne „Unterstand spurlos verschwunden“, sagt Herff. Die SPD habe die Verwaltung seit Fertigstellung der Baumaßnahme immer wieder angemahnt – vor allem mit Blick auf den nahenden Winter. Am 11. September schickte die Fraktion der Verwaltung eine Liste mit offenen Fragen. „Zu unserer Freude bereits einen Tag später in der Ratssitzung bekamen wir die Antwort“, sagt Patrick Haas und zitiert den Technischen Beigeordneten aus der Niederschrift. Die Leistungen würden „zeitnah zur Ausführungen gelangen und im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mitteln finanziert werden“. Da hatte der Rat just 166000 Euro für den Ausbau der Sebastianusstraße zusätzlich locker gemacht. „Nun ist Winter, ist das zeitnah?“, fragt Haas.


„Die Verwaltung mag ja toll bei unseren epochalen Leuchtturmprojekten arbeiten, aber sie vernachlässigt dabei die wichtigen Kleinigkeiten in den Stadtteilen.“

Dieter Wolf,
SPD-Vizefraktionsvorsitzender

Auf der Fragenliste der SPD standen zudem verschwundene Poller auf nur noch schwach markierten Fahrbahnverschwenkungen sowie die erneute Installation des demontierten „Starenkasten“.

Dieser soll „in der Nähe des Kinderspielplatzes an der Nordstraße aufgestellt werden“, erklärt Horst Zimmermann. Dabei beruft sich der Sprecher der IG Atscher Vereine auf die Bürgerversammlungen zur Verkehrssicherung auf der Sebastianusstraße.

Aber auch im Neubaugebiet unterhalb der Kirche wächst der Unmut über Dinge, die so unerledigt erscheinen wie ein „Baustellen-Perpetuum-mobile“: der Fußweg zwischen Beethoven- und Schubertstraße, der eine beliebte Verbindung zur Kita Mozartstraße herstellt. Benutzt wird der Trampelpfad von den Atschern längst, schon bevor der Ausbau mit Treppen und Plateaus begann und obwohl Absperrgitter den Eingang versperren.

Aber der Ausbau des historischen Pfades hat schon an sich eine lange Geschichte. Im November 2016 wurden für einen zügigen Ausbau 50000 Euro der kurzen Strecke überplanmäßig bereitgestellt. Nach vielem Nachhaken und einem „unendlich langen Vergabeverfahren“, so Wolf, war der Baubeginn für den 22. Mai angesetzt. Sechs Monate später erscheint der Ausbau fertig, aber der Weg ist weiterhin gesperrt. „Und vermutlich wird das Geld nicht ausgereicht haben“, was für Wolf ein weiteres Indiz für eine nachlässige Betreuung von kleineren Vorhaben in den Stadtteilen darstellt.

Weiter Warten bis zum Januar

Warum diese Baustelle noch Baustelle ist und wie sich die Kosten entwickelt haben, kommentierte die Stadtverwaltung auf Anfrage gestern noch nicht. Aber an den Bushaltestellen werden sich die Atscher wohl den Winter über noch länger warm und wetterdicht einpacken müssen, wie aus der Antwort des Technischen Beigeordneten hervorgeht: „Die Wartehäuschen an den drei Bushaltestellen werden am 18. Januar 2018 geliefert und anschließend aufgebaut“, erklärt Tobias Röhm. Die Kosten für die Lieferung und Montage der Wartehäuschen seien in den bereits ermittelten Kosten enthalten, so der Technische Beigeordnete.

Und der vermisste „Starenkasten“ soll „in jedem Fall wieder aufgebaut werden“. Aber der genaue Standort müsse noch mit der Städteregion abgestimmt werden. Immerhin ist er bereits bei Beginn der Bauarbeiten im Frühjahr demontiert worden.(-jül-)

Quelle: STZ vom 01.12.2017