Meldung:

  • 05. Februar 2018

Zincoli-Areal wird erneut ausgeschrieben

Zincolli Gelände
Foto: J. Lange
Stolberg. „Die Investoren kratzen an den Türen“: Das sagte vor zwölf Jahren die seinerzeitige Technische Beigeordnete. Im Januar 2006 wollte Simone Kaes-Torchiani schnell einen Investorenwettbewerb für das vier Hektar große Zincoli-Areal vorantreiben, um einen großflächigen Bau- und Gartenmarkt ansiedeln zu können. Der startete damals mit einer halbjährigen Verzögerung, da eine Mehrheit aus SPD, FDP und Grünen vorrangig der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion die Gelegenheit geben wollte, das gegenüberliegende Plateau der in Privatbesitz befindlichen Kohlbusch-Halde zu vermarkten.

Beide Projekte sind ein Dutzend Jahre später weiterhin Visionen. Jetzt muss die Stadt mit ihrem jüngsten Anlauf für das Zincoli-Gelände zumindest teilweise zurückrudern. Während der avisierte Verkauf des rund 5.000 Quadratmeter großen Eckgrundstückes an ein Stolberger Autohaus am 23. Januar im Hauptausschuss dingfest gemacht sowie auf den benachbarten 3700 Quadratmeter die Erweiterung des Dienstleistungszentrums durch die Stadt nun in diesem Jahr geplant und im kommenden gebaut werden soll.

Aber für die gut 30.000 Quadratmeter neben dem alten Industrieschornstein hat die Stadt nun eine klare Absage kassieren müssen. Im Juli war das Areal mit der Option, dass innerhalb einer Frist bis Jahresende ein passender Nutzer gefunden würde, an eine Projektentwicklungsgesellschaft veräußert worden. Aber sie „hat es nicht geschafft, einen Baumarktbetreiber für das Zincoli-Gelände begeistern zu können“, teilte die Gesellschaft zum Jahresende mit. Auch die Suche eines Ankermieters aus der Möbelbranche führte nicht zum gewünschten Erfolg. Die Projektentwickler sehen sich nicht in der Lage, das angestrebte Nutzungskonzept zu realisieren.

Die Konsequenz soll der ebenfalls am 23. Januar tagende Stadtrat ziehen. Er soll den alten Verkaufsbeschluss aufheben und die Veröffentlichung der städtischen Verkaufsabsicht für die 30.000 Quadratmeter erneut beschließen.

Gleichzeitig schlägt die Verwaltung vor, die Konditionen für die Vermarktung zu überdenken – „angesichts der offensichtlich schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“, wie das Amt für Stadtentwicklung es in seiner Vorlage für die Ratsgremien formuliert. So soll einerseits der erwartete Kaufpreis von 35 auf mindestens 30 Euro pro Quadratmeter gesenkt werden. Zudem soll alternativ die Möglichkeit eines Erbbaurechtes angeboten werden, „um für Investoren gegebenenfalls erleichternde Bedingungen zu schaffen“, argumentiert die Verwaltung. Angestrebt seien ein Erbbauzins von mindestens drei Prozent bei einer Laufzeit von 30 Jahren.

Die übrigen Konditionen sollen unverändert bleiben. Wertminderungen und Gründungsmehraufwand sollen bei beiden Varianten bereits berücksichtigt sein. Außerdem habe ein Investor neben der inneren Erschließung auch mögliche Ertüchtigungen der äußeren Verkehrserschließung zu tragen – sprich die Anknüpfung an die Mauer- gegebenenfalls auch an die Cockerillstraße.

Eindeutig ist mittlerweile die Haltung, dass der Industrieschornstein aufgrund seiner industriegeschichtlichen Bedeutung und seiner städtebaulichen Dominanz erhalten werden soll. Die Stadt als Eigentümerin werde dabei die Unterhaltungs- und Verkehrssicherungspflichten garantieren.

Der alte Schornstein der Zincoli, die bis Januar 2001 auf dem Gelände Zinkstäube beispielsweise für die Verwendung in Farben produzierte, war 2007 noch bei der Auswahl aus Kaes-Torchianis Investorenwettbewerb als illuminierte und weithin sichtbare Leuchtmarke eines Bau- und Gartenmarktes auserkoren. Die Strabag-Tochter Züblin war als strahlende Siegerin aus der Ausschreibung hervorgegangen mit einem städtebaulich hochwertigen Konzept. 10.500 Quadratmeter Baumarkt plus 3.000 Quadratmeter Gartenmarkt nebst Gastronomie am Turm waren als Ankermieter angedacht. Vor der Türe sollten 500 Parkplätze geschaffen werden. Der Platz zwischen Dienstleistungszentrum – einige Monate zuvor war das frühere Cebus-Projekt als erste DLZ-Erweiterungsvariante gescheitert, nachdem ein Ankermieter abgesprungen war – und Kreuzung war für einen markanten Baukörper mit 4200 Quadratmeter Nutzungsfläche vorgesehen. Nutzer sollten aus dem Bereich Gastronomie und Hotellerie, Fitness- und Freizeit oder des marktverträglichen Einzelhandel kommen.

Aber sie kamen nicht. Während die Strabag über die Jahre in Gutachten und Bodenuntersuchungen investierte sowie Lösungen für den Verkehrsanschluss präsentierte, schwand über die Jahre das Interesse der potenziellen Mieter.

Auf der südlichen Seite des Platzes schrumpfte der Bau- und Gartenmarkt auf 7500 Quadratmeter Gesamtfläche, laut Präsentation vom Januar 2013, und auch der Kamin steht nun im Wege. Es bestehe kein Interesse mehr an einem größeren Markt in Stolberg, erläuterten die Investoren – zumal im Dezember 2012 auf 10.000 Quadratmetern an der Brander Debye-straße die neue Niederlassung des Anbieters Obi eröffnet hatte, der sich im vergangenen Jahr großflächig in Weisweiler engagiert hat.

Für die nördlichen Seite lassen sich keine innenstadtverträglichen Mieter finden. Rewe, ein Discounter und ein Drogeriemarkt sind nun die Favoriten.

Bis im Januar 2014 Gisela Walsken der Stadt die Pistole auf die Brust setzte. Entweder Stolberg wolle Zuschüsse zur Wiederbelebung der Innenstadt, schrieb die Regierungspräsidentin, oder sie halte fest an der innenstadtfeindlichen Entwicklung in Münsterbusch. Die mahnenden Worte aus Köln ermunterten selbst die wortgewandtesten Zincoli-Befürworter zu einem Umdenken. Noch vor der Kommunalwahl beschloss der Stadtrat den Einstieg vom Ausstieg aus dem Strabag-Projekt. Kurz danach fließt die Millionen-Förderung für die Innenstadt an.
Angebot soll Innenstadt nicht schaden können

Gesucht werden bei der neuerlichen Ausschreibung ausschließlich Einzelhandelsbetriebe mit einem nicht innenstadt- und nicht nahversorgungsrelevantem Sortiment. Denkbar sind beispielsweise Nutzungen aus der Freizeit- und Fitnessbranche. Findet sich kein Großinvestor könnte die Stadt einen alten Gedanken aufgreifen und das Gelände als kleinteiliges Gewerbegebiet vermarkten.


Angebot soll Innenstadt nicht schaden können

Gesucht werden bei der neuerlichen Ausschreibung ausschließlich Einzelhandelsbetriebe mit einem nicht innenstadt- und nicht nahversorgungsrelevantem Sortiment. Denkbar sind beispielsweise Nutzungen aus der Freizeit- und Fitnessbranche. Findet sich kein Großinvestor könnte die Stadt einen alten Gedanken aufgreifen und das Gelände als kleinteiliges Gewerbegebiet vermarkten.

Quelle: STZ vom 16.01.2018