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Pressespiegel:

Stolberg, 17. August 2010

Geotechnische Analyse erkennt keinen Bergbau

Sanierung Anna-Klöcker-Straße
Bei der Sanierung sackte der Boden im Neubaugebiet Anna-Klöcker-Straße ein: Ein Tagesbruch wie dieser verplombte kann jederzeit entstehen. Quelle: STZ.
Stolberg. Ihrer am Freitag angekündigten Bereitschaft zu einer außergerichtlichen Einigung mit den von Bergschäden Betroffenen an der Anna-Klöcker-Straße hat die VR-Bank am Montag erste Schritte folgen lassen. Ihr Rechtsbeistand stimmte mit dem Anwalt der Anwohner Termine und weiteres Vorgehen ab. «Es besteht offensichtlich Einigkeit, zuerst schnell die Gefahrenerkundung und eine Sanierung zu betreiben», erklärte Michael Kirsch auf Anfrage.

Erst mittelfristig soll die Erschließungsstraße ausgebaut werden, sagte der Fachanwalt für Verwaltungsrecht aus Aachen. «Dann werden wir uns mit den weiteren Ansprüchen meiner Mandanten auseinandersetzen», so Kirsch. «Wir sind gesprächsbereit.» Die VR-Bank hatte erklärt die Kosten für die erforderlichen Sanierungen und weitere Bodenerkundungen übernehmen zu wollen.

Ungeachtet des Bemühens um eine gütliche Einigung bleiben viele offene Fragen. Untersucht worden ist das Neubaugebiet bereits vor Jahren mehrfach. 1989 erfolgte durch ein Aachener Büro eine Baugrunduntersuchung mit Gründungsvorschlag. 1991 ließ der Kreis Aachen das Gelände auf Altlasten untersuchen. 1999 untersuchte das Aachener Büro erneut das Gelände und legte einen geotechnischen Bericht über die Boden- und Wasserverhältnisse nebst Gründungsvorschlägen vor. Im Jahre 2000 und 2003 folgten Untersuchungen und Stellungnahmen zur Altlastensituation.

In wieweit bereits damals Erkenntnisse über den Umfang und mögliche Auswirkungen des Bergbaus bekannt und bewusst waren, als die Stadt im Dezember 2001 den Bebauungsplan verabschiedet und 2002 die seinerzeitige Volksbank die Erschließung des Baugebietes übernahm, ist ungesichert. Erarbeitet hat den Bebauungsplan ein privates Planungsbüro aus Eschweiler im Auftrag des Erschließungsträgers.

Bei der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange haben ausweislich der Ratsvorlagen das Staatliche Umweltamt sowie der Kreis Aachen Bedenken gegen das Neubaugebiet erhoben, weil das Neubaugebiet als Altlastenverdachtsfläche ausgewiesen ist. Obwohl im Altlastenkataster des Kreises mit der Nr. 5203/101 die Galmeipinge und unter der Nr. 5203/100 der hier unstrittige Kalksteinbruch ausgewiesen sind, bezogen sich diese Bedenken nicht auf Bergbau, sondern auf einen möglichen erhöhten Gehalt von Schwermetallen im Boden. Mittels eines Hinweises in den textlichen Festsetzungen des Bebauungsplans galten die Altlasten-Bedenken als ausgeräumt.

Allerdings ist als «Begründung zum Bebauungsplan Nr. 122 Am Lindchen» unter dem Punkt Umweltbelange das Fazit einer geotechnischen Untersuchung mit 16 Rammkernbohrungen sowie zur Altlastenuntersuchung mit elf Bohrungen ausgeführt, ohne umweltrelevante Altlasten zu finden und ohne dass auch nur einmal das Wort Bergbau bemüht wird.

Demnach wurde in dem geotechnischen Bericht lediglich festgestellt, dass «im Bereich der Verkehrs- und Bauflächen der Oberboden flächig abgeschoben werden muss», um das Erdplanum herzurichten. Unter dem Mutterboden sei das Gelände vielfach aufgeschichtet aus Beton- und Ziegelbruch, Schotter, Glasresten und Aschen.

«Lediglich in einem Bereich wurde eine Auffüllung bis 2,40 Meter unter Flur festgestellt. Die Anfüllungen sind als Gründungsboden grundsätzlich ungeeignet, d.h. sie müssen durchgründet werden.» Bei unterkellerter Bauweise würden die Anfüllungen automatisch durchstoßen. Aber «der gesamte Untergrund besteht bis hier in interessierende Tiefen aus einem stark bindigen Lehm», ... der «ein zuverlässiger Baugrund» sei und «generell eine normale Flachgründung ohne baugrundbedingte Zusatzmaßnahmen erlaubt».

Bekannt hätte sein müssen, dass in Karten und Akten aus den Jahren 1805 und 1821 eine rund 100 x 60 Meter große Pinge sowie in deren Umfeld fünf Schächte für Erzbergbau verzeichnet sind. Allerdings weist eine preußische Karte aus dem Jahr 1846 die Pinge und die Schächte der Grube «Wolfeter Hoffnung» nicht mehr aus, was Gutachter als Indiz für eine geringe Bedeutung der Lagerstätte und lediglich kurzzeitige Ausbeutung werten.

Im Juni 2003 wies die Abteilung Bergbau bei der Bezirksregierung Arnsberg die Stadt darauf hin, dass auf zwei Flurstücken im Neubaugebiet Bergbau umgegangen ist. Im Juli beauftragte die Volksbank ein anderes Aachener Ingenieurbüro mit der Untersuchung im Vorfeld der Wohnbebauung. Das untersuchte gezielt den Bergbau und formulierte mit einer Genauigkeit von plus/minus zehn Meter eine Schutzzone im Bereich von Schächten und Pinge. Denn von diesen gehe weiterhin eine Gefahr für die Standsicherheit der Tagesoberfläche durch Absackungen aus. Außerdem wurden weitere Erkundungen und Sicherungen empfohlen, die mit 410 000 bis 520 000 Euro kalkuliert wurden. Derweil sollten Schachtschutzbereiche von Bebauung freigehalten und gegen Betreten gesichert werden. Dennoch vermarktete die Volksbank Immobilien im Bereich der Schutzflächen.

Von diesem Gutachten hörte die Stadt, als im Jahr 2005 die Volksbank eine Wertminderung für das Neubaugebiet wegen Altlasten geltend machte. 70 000 Euro erhielt sie für vier Baugrundstücke im Bereich der verzeichneten Schächte. Zwar hat die Stadt die Bank gebeten und einmal deren Anwaltskanzlei angeschrieben, das Gutachten auszuhändigen, aber das geschah nicht und wurde offensichtlich durch die Verwaltung auch nicht weiter verfolgt. Erst vor wenigen Wochen mit Beginn der Sanierung der Straßentrasse erhielt die Stadt das Gutachten aus 2003 und damit auch ein weiteres von einem Ingenieurbüro aus Gelsenkirchen aus diesem April. Darin werden wesentlich umfangreichere Gefährdungsflächen nachgewiesen. „Aus der tagesnahen Abbautätigkeit können zukünftig noch Tagesbrüche als auch unterschiedliche Senkungen und Setzungen.“

Dass diese Gefahr konkret ist, zeigte sich im Rahmen der Sanierung durch Verpressen mit einem hydraulisch erhärtendem Material: Ein Tagesbruch ereignete sich nahe der Duffenterstraße und wurde mit einer etwa zwei Meter messenden Plombe verschlossen. Auf 775 000 Euro kalkuliert das Ingenieurbüro die Sanierung des Gebietes, davon alleine 275 000 Euro für die bereits bebauten Grundstücke.

Quelle: STZ vom 17.08.10 (J. Lange)


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