Es gibt keine einfachen Antworten

Prominente Unterstützung bei Gesprächsrunde für Patrick Haas. „Mir wird ein gut bestelltes Rathaus hinterlassen“:

Stolberg 50 Stühle sind im Halbkreis um ein kleines Podium gruppiert, das an der Südseite des Rittersaals zusätzlich aufgebaut ist. Ein knappes Dutzend mit roten Servietten eingedeckte Stehtische stehen locker rund um das Podium verteilt im Raum. Eine halbe Stunde vor Beginn der „Wir müssen reden“-Veranstaltung des SPD-Bürgermeisterkandidaten sind Sitzplätze nahezu ausgebucht.

Als Patrick Haas die Bühne betritt, füllen knapp 150 Menschen den Rittersaal mit wohliger Wärme. Es sind nicht nur stramme Genossen, die der Einladung gefolgt sind. Christdemokraten sind ebenso darunter auszumachen, wie parteipolitisch ungebundene Besucher und Funktionsträger aus Sport und Gesellschaft.

Lieber Anlächeln als Smily

„Positiv überrascht“ zeigt sich selbst Patrick Haas über diese Resonanz, als er mit Stefan Kämmerling die Bühne betritt. Locker, flockig und souverän moderiert der Landtagsabgeordnete den Abend, begrüßt neben dem stellvertretenden Bürgermeister Peter Jussen und dem Ersten Beigeordneten Robert Voigtsberger Claudia Moll. Die Bundestagsabgeordnete erweist sich nicht minder souverän in ihrem kurzen Grußwort, schlägt den Bogen von der rasanten Entwicklung der Medienwelt zu einem viel wichtigeren persönlichen Gespräch: „Es ist doch viel schöner, Dich anzulächeln, als eine Nachricht mit einem Smily zu schicken“, sagt Moll zu Haas. Applaus für sie. Und für Martin Schulz, der eigens aus Berlin eingeflogen ist, um Patrick Haas im Wahlkampf zu unterstützen.

Doch zunächst ist der Kandidat selbst an der Reihe. Wie schon bei seiner Aufstellung skizziert der 37-jährige Lehrer sich und die Gründe, warum man ihn wählen sollte. Da finden sich dann Aussagen, das Miteinander zu fördern, keine geteilte Stadt zu sein und alle Demokraten mitzunehmen ebenso wie einige persönliche Angaben und die Aussage „weil ich Stolberg bewegen will.“ Dazu zählt bei der Betreuung auch das dritte Jahr im Kindergarten beitragsfrei machen und eine Randzeitenbetreuung in jedem Sozialraum der Stadt anbieten zu wollen. Anhand des bereits erarbeiteten Leitbildes mit seinen zahlreichen Einzelmaßnahmen soll der soziale und gesellschaftliche Zusammenhalt in der Stadt gefördert, mindestens 100 Langzeitarbeitslose in Brot und Arbeit gebracht, Quartiersplätze auch in schwierigen Stadtteilen eingerichtet und in sozialen Wohnungsbau investiert werden.

Auf gutem Weg sei man bereits mit der Digitalisierung der Schulen und einer qualitativen Nachmittagsbetreuung von Kindern, die nicht abhängig sei vom Geldbeutel der Eltern.

Die Umsetzung des Mobilitätskonzeptes will Haas einer neuen Stabsstelle anvertrauen, damit sie kein Stückwerk bleibe. Ein Windpark soll nahe Raffelsbrand entstehen und Schüler mittels eines Gutscheins ein Jahr kostenfrei einen Sport ihrer Wahl kennenlernen können. In der Stadtverwaltung führe Robert Voigtsberger „ein gut bestelltes Haus, das er mir hinterlassen wird“, sagte Haas.

Mit lang anhaltendem Applaus würdigen die Gäste seine Ausführungen bevor Unterbezirksvorsitzender Martin Peters ein kleines Interview mit Haas und dem „noch immer meist gebuchten Redner der SPD“ führt.

Amt wichtiger als die Person

„Was macht einen Bürgermeister aus?“ ist seine erste Frage an Martin Schulz, der auch elf Jahre lang ehrenamtlicher Bürgermeister in Würselen war. „Er strahlt so wie Patrick Haas aus, dass die Stadt seine Stadt ist“, sagt der ehemalige Präsident des EU-Parlaments und steuert mit unterhaltsamen Anekdoten weitere Details bei: „Das Amt ist wichtig, nicht die Person“, „Wenn die Leute sagen ,unser Bürgermeister’ und nicht der Herr Bürgermeister“ sowie „Zuhören können“. Eloquent verquickt die Gesprächsrunde einen Ritt durch europäische und Bundesthemen mit lokalen Herausforderungen sowie Antworten auf Fragekarten aus der Besucherrunde.

Da geht es von der „Kommunalpolitik als schwierigste politische Ebene“ und „ehrenamtliche Politiker sind die wahren Helden der Politik“ über den globalen Klimawandel zur Stolberger Kehrwoche bis hin zu von Land und Bund geförderten „Maßnahmen zur Qualifizierung des Gemeinwohls“, um dann bei Sicherheit, Mühle und Shisha-Bars zu landen.

„Dazu gibt es keine einfachen Antworten“, sagt Haas: „Wer mehr Polizeipräsenz verspricht, handelt unredlich.“ Denn die werde es nicht geben können, da derzeit nachts „nur ein Streifenwagen Stolberg, Eschweiler und die Nordeifel betreut“. Man müsse aber auch eine neue gesellschaftliche Entwicklung erkennen, markierte Haas. „Ich habe früher mit meinen Schulfreunden ,Im Blau’ abgehangen, und die Schüler von heute tun das in Shisha-Bars“, so der Bürgermeisterkandidat: „Deshalb sind sie keine Kriminellen.“

Gleichwohl erkenne auch er eine Problematik. Mit den Mitteln von Ordnungsamt, Bauordnung und Feuerwehr müsse man den Shisha-Bars das Leben so schwierig wie möglich machen. „Wir lassen uns unsere Stadt nicht wegnehmen“, erklärte Haas. Und zudem müsse Schüler klar gemacht werden, dass Shisha-Rauchen und -Bars ungesund seien. Differenzierter müsse man das Shisha-Rauchen in der Öffentlichkeit bewerten.

Kulturelle Vielfalt

Und zur Frage nach dem Umgang mit der „ethnischen Vielfalt“ verweis Haas auf die Frage, die die Ditib-Gemeinde ihm gestellt habe: „Was machen Sie denn mit der Mühle.“ Die kulturelle Vielfalt sei nun einmal eine große Herausforderung und das für männliche türkische Studenten projektierte Heim an der Jordansstraße widerspreche der Integration.

Die Frage nach den Anliegerbeiträgen darf an dem Abend nicht fehlen. Im Landtag kämpfe die SPD für die Abschaffung, so Haas, für Stolberg könne er nur die „unechte Ablöse“ empfehlen die vertraglich eine Besserstellung garantiere, falls der Landtag die gesetzlichen Grundlagen ändere.

Und mit dem von Herzen kommenden Rat von Martin Schulz, „Patrick, bleibe als Bürgermeister so, wie Du bist“, mündet die Podiumsveranstaltung nach gut 90 Minuten im individuellen Dialog mit den Besuchern.

 

Quelle:AZ 28.03.2019

Bericht von Jürgen Lange