Arbeit, Wohnraum und Europa

SPD und Gewerkschaften feiern Tag der Arbeit auf dem Kaiserplatz

Foto: Dirk Müller

Stolberg Klima- und Strukturwandel, bezahlbarer Wohnraum, die anstehende Wahl zum EU-Parlament und natürlich Arbeit sind einige der Themen im politischen Teil gewesen, als die SPD sowie die Industriegewerkschaften IG Metall und Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) am 1. Mai zum traditionellen Familienfest auf den Kaiserplatz eingeladen hatten. Martin Peters von der IG Metall dankte am Tag der Arbeit zunächst den Menschen, die am 1. Mai arbeiten.

„Europa nicht den Rechten lassen“

Zur Europawahl meinte er, wenn es die EU nicht gäbe, müsste man sie erfinden, und hob den enormen Stellenwert der Wahl zum EU-Parlament hervor: „Rechtspopulistische und nationalistische Kräfte haben leider in ganz Europa Zulauf. Ich werde wählen gehen und unser Europa nicht den Rechten oder den Marktradikalen überlassen. Geht bitte auch wählen, und stärkt mit eurer Stimme die europäische Demokratie“, sprach Peters die Zuhörer an. Wie Martin Peters sprach auch Peter Alt von der IG BCE Klima- und Strukturwandel an. „Ich bin weit davon entfernt, den Klimawandel abzustreiten“, schickte Alt voraus, aber „Sofortprogramme ohne Rücksicht auf Risiken und Nebenwirkungen“ seien nicht dien-

lich. „Die IG BCE fordert zu dem Thema einen neuen Realismus in Berlin“, sagte Alt. Energie müsse sowohl für Unternehmen, als auch für die Menschen zur Verfügung stehen und dabei bezahlbar sein. Eine etwaige CO2-Steuer bezeichnete der Gewerkschaftler als ein „Stück aus dem Tollhaus“. „Wir haben heute bereits die höchsten Strompreise in ganz Europa. Und wenn es der Politik in Zukunft vielleicht gelingt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, werden viele Menschen diese Wohnungen trotzdem nicht beziehen können, weil sie sich die hohen Nebenkosten für Strom und Heizung nicht mehr leisten können.“

Der Bürgermeisterkandidat der Sozialdemokraten, Patrick Haas, gab Ausblicke, was die Stolberger im Falle seines Wahlsiegs von ihm erwarten können. Eines seiner Ziele sei, wieder mehr Menschen in der Kupferstadt an guter, sicherer und tariflich entlohnter Arbeit teilhaben zu lassen. „Das ist Wirtschaftsförderung für mich“, sagte Haas und erklärte: „Ich will in unserer Stadt 100 Langzeitarbeitslosen neue Jobs und damit selbst erarbeitetes Einkommen verschaffen.“

Steigende Mieten und Nebenkosten seien auch in Stolberg ein Thema. „Das Wohnen in allen Stadtteilen muss bezahlbar bleiben. Deswegen werde ich als Bürgermeister dem Rat ein Konzept vorlegen, wie die Stadt Stolberg in Kooperation mit der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft für die Städteregion noch mehr sozialen und bezahlbaren Wohnraum schaffen kann“, sagte Haas.

„Für Familien attraktiv machen“

Drei beitragsfreie Kita-Jahre und der Ausbau der Randzeitenbetreuung auf alle Sozialräume der Stadt soll Stolberg für junge Familien attraktiver machen. Zum Klimaschutz meinte Haas mit Blick auf energieintensive Stolberger Unternehmen: „Wir müssen dafür sorgen, dass nicht die Industrie alleine zur Erfüllung der Klimaziele herangezogen wird. Mit einem ganzheitlichen klimafreundlichen städtischen Mobilitätskonzept können wir den PKW-Verkehr in Stolberg reduzieren.“

Der öffentliche Personennahverkehr in der Kupferstadt müsse dazu attraktiver und günstiger werden, und „wenn wir Straßen bauen oder ertüchtigen, muss der Radverkehr künftig mit oberster Priorität bedacht werden“. Beim Familienfest führte Sascha Ciarletta durch das Programm, bei dem vor allem Stolberger Kräfte auf der Bühne glänzten. Unter anderem begeisterten die Showtanzgruppen der Fidelen Bessemskriemer und der KG De Wenkbülle die Besucher, Clownerike unterhielt die Gäste, Meral Haubrich steuerte Zumba bei und „De Kättestrüsch“ und „De Rebellen“ flotte Livemusik.

Bericht von Dirk Müller

Quelle: AZ 02.05.2019