Lockerer Dialog in entspannter Atmosphäre

Stolberger Linke und nicht parteigebundene Gäste kommen mit den Bürgermeisterkandidaten in ein konstruktives Gespräch

Foto: D. Müller

Stolberg Die Atmosphäre ist entspannt, ja locker gewesen, obwohl die Konstellation auf den ersten Blick eher ungewöhnlich erschien: Der Stolberger Ortsverband der Linken hatte zu seinem Stammtisch im „The Savoy“ die Bürgermeisterkandidaten von SPD, CDU und FDP eingeladen. Ein Novum, das aber nicht besonders, sondern eine Selbstverständlichkeit sei, beschrieb Gabi Halili, Sprecherin der Stolberger Linken: „Wir stellen selbst keinen Kandidaten, und zu einer Demokratie gehört unserer Auffassung nach sowohl eine gepflegte Streitkultur, wenn es um politische Inhalte geht, als auch ein kollegiales Miteinander und der Dialog zum Wohle der Bürger unserer Stadt.“

 

Diesem Dialog stellten sich Patrick Haas (SPD), Andreas Dovern (CDU) und Bernd Engelhardt (FDP), und die zum großen Teil nicht parteigebundenen Gäste des Stammtisches im „The Savoy“ mischten tüchtig mit und stellten den Kandidaten viele Fragen. Etwa zur Entwicklung der Innenstadt. „Stolberg soll nicht vergreisen. Es entsteht ein Seniorenheim nach dem anderen, aber wir brauchen auch junge Menschen in der Stadt“, sagte Engelhardt, der die City als Wohnraum für Studenten attraktiver machen will, denn „Studenten sind die Fachkräfte von morgen, die dann auch mehr Kaufkraft in die Stadt bringen“.

 

Haas meinte, das angeworfene Integrierte Handlungskonzept steuere der hohen Arbeitslosigkeit in der Innenstadt entgegen und helfe so, die Kaufkraft zu erhöhen. „Um für Studenten interessant zu sein, muss sich beim Öffentlichen Personennahverkehr aber einiges tun. Die abendlichen Freizeitmöglichkeiten in Stolberg sind eher überschaubar, und in den späten Abendstunden sind Bus- und Bahnanbindungen nach Aachen nicht vorhanden.“ Dovern sprach sich dafür aus, die Kupferstadt solle sich um Kooperationen mit den Aachener Hochschulen RWTH und FH stärker bemühen. „Zudem sollten wir die Fördermöglichkeiten für Geschäfte, die sich eventuell in der City niederlassen möchten, besser bekannt machen.“

 

Auch das Personalkonzept in der Stadtverwaltung stand zur Debatte. Der Bürgermeister ist bereits abgewandert, der Verlust des Ersten Beigeordneten steht ebenso bevor wie der Ruhestand mancher Amtsleiter. Dovern betonte, der neue Bürgermeister müsse „Ruhe in die Verwaltung bringen“. „Künftig sollten Nachfolgeregelungen zwei bis drei Jahre vorher klar sein, damit eine gute Einarbeitung möglich ist“, sagte der CDU-Kandidat. Sein SPD-Kontrahent erklärte Ausblidung sei wichtig, um Fachkräfte innerhalb der Verwaltung „von unten nach oben“ zu führen. „Außerdem sind durch den Beförderungsstau in den vergangenen Jahren gute Leute abgewandert. Das sollte uns nicht mehr passieren“, so Haas.

 

FDP-Kandidat Engelhardt bezog sich konkret auf den bald scheidenden Ersten Beigeordneten: „Welches Parteibuch der nächste Erste Beigeordnete hat, ist mir völlig egal. Er muss einfach gut sein. Es wird ohnehin schwer genug, für Robert Voigtsberger einen adäquaten Nachfolger zu finden.“ Linke-Sprecherin Gabi Halili fungierte zwar fast ausschließlich als Moderatorin des Stammtisches, forderte aber bei diesem Thema „Frauen in die Chefetage des Rathauses“ und brachte namentlich zwei derzeitige Amtsleiterinnen für den Posten der Ersten Beigeordneten ins Gespräch.

 

Neben Sauberkeit in der Stadt und weiteren Themen, kam auch die Luftqualität in der Innenstadt zur Sprache. Haas regte den Einsatz eines Verkehrsplaners an und hob hervor: „Wir müssen endlich Fahrradwege bauen.“ Dovern favorisierte „einen Klimaschutz mit Maß, der zu Stolberg passt, ohne die Lebensqualität der Menschen zu beschränken“. Engelhardt befürwortete den Bau von Radwegen, sprach sich für bessere Isolierung von Häusern aus, um CO2 einzusparen, und mahnte, die Lüftungsschneisen für die Tallage zu bewahren. Mit Blick auf vergangene Zeiten, erinnerte er aber auch: „Die Luft in Stolberg ist so sauber wie noch nie.“ (dim)

Quelle: AZ 06.05.2019