Schüler diskutieren mit den Bürgermeisterkandidaten

Das Berufskolleg Stolberg richtet eine Podiumsdiskussion mit den Politikern aus. Auch Europa ist ein wichtiges Thema.

Foto: M. L. Otten

Stolberg Einig sind die Stolberger Bürgermeisterkandidaten, was die Europawahlen betreffen. Nur ein starkes demokratisches Europa schaffe es, gegen die großen Mächtigen zu bestehen, so das Fazit der Podiumsdiskussion mit den Unterstufenschülern des Berufskollegs in Stolberg.

 

Fünf Punkte zur Diskussion

 

Ohne die Europäische Union sehe die Wirtschaft schlechter aus. Proeuropäisch heiße, so Bürgermeisterkandidat Engelhardt, keinen rechten oder linken Schwätzern die Stimme zu geben. Resul Dogan und Jale Erdogan, zwei Klassenkameraden der HH86 Unterstufe Wirtschaft und Verwaltung im Bereich Finanzdienstleistung, moderierten die neunzig minütige Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeistern, für die sie fünf Punkte vorbereitet hatten.

 

Zum ersten Punkt zählten die Referenzen, die ein Bürgermeister mitbringen müsse, welche Kompetenzen er habe und was sie für Jugendliche beabsichtigen zu tun. Top zwei beschäftigte sich mit konkreten Themen, Top drei mit Fragen zur Situation in Stolberg. Bei Punkt vier wurde darüber diskutiert, welche Konfliktlinien im Wahlkampf sichtbar werden. Die beiden 17-jährigen Moderatoren hatten sich bestens vorbereitet und wussten, wovon sie redeten. Immer wieder gab es Fragen aus dem Auditorium. Die jungen Leute wollten wissen, wa-

rum die Busanbindung so schlecht und teuer sei, was gegen zu viel Müll auf den Straßen getan werde, warum Bildung eine so große Rolle spiele und warum das Glasfasernetz sich so verzögere.

 

Stolberg nach vorne bringen

 

Alle drei Kandidaten haben gemeinsam, dass sie Stolberg nach vorne bringen wollen. Das gehe nicht ohne die Hilfe der Bürger, heißt es. Auch die neuen und frischen Ideen der jungen Leute müssen gehört werden, denn jeder könne sich einbringen. Nach außen hin vertritt der Bürgermeister die Stadt und will die Probleme, Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen. Ein neuer Zusammenhalt in der Innenstadt sei wichtig und müsse mit verschiedenen Projekten (beispielsweise mit einer Demokratiewerkstatt) unterstützt werden. Jedem investierten Euro in der Bildung müsse Priorität gegeben werden, denn die Bildung sei der einzige Rohstoff, den Deutschland habe, so Engelhardt.

 

Wenn die Menschen sich nicht mit ihrer Heimatstadt identifizieren, wird ein Weiterkommen nicht möglich sein. Patrick Haas (SPD) möchte die Wähler mit Sport nach vorne bringen, indem jeder Erstklässler einen Sportgutschein für ein Jahr kostenlosen Sportunterricht im Verein bekommt, auch wenn es die Stadt 50.000 Euro koste, die an anderer Stelle einzusparen sei. Außerdem will er sichere Fahrradwege parallel zu den Autostrecken etablieren sowie ein Jobticket für die Auszubildenden in der Stadt auf den Weg bringen.

 

„Attraktiv für Familien sein“

 

Dem CDU-Kollegen Andreas Dovern liegen die 825 Handwerksbetriebe am Herzen, denen nur 163 Auszubildende gegenüberstehen. Sich in Stolberg adäquat ausbilden zu lassen und vielleicht auch später eine Familie zu gründen, dafür müsse Stolberg attraktiv bleiben.

 

Die vielen Baustellen, die eine Schülerin in die Diskussionsrunde warf, seien ja irgendwann vorbei und die Digitalisierung der Stolberger Schulen würde sukzessiv vorangetrieben. Dass Stolberg sauberer werden muss, sei nicht nur Aufgabe der Stadt, die neun neue qualifizierte Stellen diesbezüglich geschaffen hat, auch jeder Einzelne sollte da mitwirken und nicht achtlos Papier auf die Straße werfen.

 

Eine 100 prozentige Sicherheit auf den Straßen gäbe es nicht, sagte Polizist Bernd Engelhardt von der FDP. Er versprach aber, mehr Präsenz in Absprache mit der Polizei und dem Ordnungsamt zu zeigen. Er relativierte allerdings zwischen tatsächlicher Gewalt und subjektiver Empfindung und verwies auf das enge Korsett der Stadt.

 

Ihm als möglicher Bürgermeister sei das Ehrenamt auch wichtig, das es gelte zu unterstützten, doch würden die freiwilligen Leistungen gekürzt oder auch abgeschafft und verwies auf das Bildungs- und Teilhabegesetz.

 

„Nicht im Regen stehen lassen“

 

Er überreichte den Moderatoren einen Ordner des städtischen Haushalts mit der Bitte, diesen durchzuackern, um sich dann bei Gelegenheit noch mal über die Finanzen der Stolberger Stadt auszutauschen.

 

Schulleiterin Ingrid Wagner gab den Kandidaten am Ende jeweils einen Regenschirm mit den Worten „Bitte lassen Sie uns nach der Wahl nicht im Regen stehen!“. Parallel zur Europawahl am 26. Mai findet in Stolberg auch die Wahl des neuen Bürgermeisters statt, für den die Stolberger Bürger bereits ab 16 Jahren wählen können, wogegen sie für die Europawahl 18 Jahre alt sein müssen.

Von Marie-Luise Otten

Quelle: AZ 10.05.2019