Wer wird der nächste Bürgermeister?

Drei Fragen an die Kandidaten Andreas Dovern (CDU), Patrick Haas (SPD) und Bernhard Engelhardt (FDP)

Parallel zur Europawahl entscheiden die Stolberger am 26. Mai darüber, wer nach dem Weggang von Dr. Tim Grüttemeier zur Städteregion die Geschicke der Stadt federführend lenken soll. Zur Wahl stellen sich Andreas Dovern (CDU), Patrick Haas (SPD) und Bernhard Engelhardt (FDP). Der Super Sonntag hat den Politikern nun mit drei Fragen ein wenig auf den Zahn gefühlt.

Ihre Wahlprogramme befassen sich mit den verschiedensten Bereichen des Lebens. Welche Themen werden Sie nach ihrer Wahl zum Bürgermeister als erstes angehen?Dovern: Bevor wir im Rathaus an die inhaltliche Arbeit gehen können, werden wir uns wohl zunächst personell und organisatorisch neu aufstellen müssen. Aufgrund des Fortgangs von Robert Voigtsberger stellt sich gegenwärtig ja auch die Frage, wie und mit wem die Stelle des neuen Beigeordneten für die Bereiche Schule, Jugend und Soziales besetzt werden soll. Hier müssen wir schnell Klarheit schaffen, denn gerade die Senkung der Kita- und OGS-Beiträge ist eine Herzensangelegenheit für mich und diese möchte ich möglichst unverzüglich und im Einvernehmen mit unserem Koalitionspartner umsetzen.

Haas: Drei Dinge von den Schwerpunkten meiner Agenda haben höchste Priorität. Erstens werde ich mit dem Entwurf für den städtischen Haushalt 2020 einen Vorschlag zum dritten beitragsfreien Kita-Jahr unterbreiten. Dies soll dann ab dem Kita-Jahr 2020/2021 wirksam werden. Zweitens ist mein Ziel die Schaffung von 100 neuen Jobs für Langzeitarbeitslose in Stolberg durch das Teilhabechancengesetz. Als Sofortmaßnahme will ich sofort weitere Stellen bei der Stadt selber für diese Menschen schaffen und intensiv bei Firmen dafür werben, dass sie das Gesetz nutzen und diesen Menschen ebenfalls eine Chance geben. Drittens werde ich umgehend nach einer Amtsübernahme die Stellen eines Verkehrsplaners und eines Klimaschutzmanagers ausschreiben.

Engelhardt: Da die Bereiche Schulen und Soziale Stadt bereits auf einem guten Weg sind wären das die Themen: bezahlbarer Wohnraum, Straßenbaubeiträge, Sickerwässer (Versickerung von Regenwasser auf Grundstücken), Fahrradwege und Öffentlicher Personennahverkehr im Bereich Mobilität und Infrastrukturmaßnahmen (Straßenpflegeausbau / Gewerbeansiedlungen / Gewerbeflächenausweisung).

Ihnen dreien ist gemein, dass Sie entweder in Stolberg geboren sind oder von Kindesbeinen an in der Kupferstadt leben. Mit welchen Gefühlen denken Sie an „ihre“ Stadt?Haas: Meine Familie lebt seit Generationen in Stolberg. Auch ich bin hier geboren, genauso wie meine Kinder. Für mich kommt kein anderer Lebensmittelpunkt in Frage. Ich liebe meine Heimatstadt und ihre Menschen, glaube aber auch, dass noch viel Potential in Stolberg steckt. Dieses voll auszuschöpfen und als Bürgermeister an der Weiterentwicklung zu arbeiten, ist mein großes Ziel. Bürgermeister in Stolberg ist für mich definitiv kein Sprungbrett für andere politische Ämter.

Engelhardt: Als gebürtiger „Balkanese“ (Breinigerberger) habe ich in meiner Kindheit eher mit den Außenbezirken (Gressenich und Mausbach – Großeltern und Verwandte / Breinig – Schule, Fußball, Verwandte und Freunde / Venwegen – Schule und Freunde / Zweifall und Vicht – Verwandte) Kontakt gehabt. Spielflächen waren für uns damals das Gelände um den Schlangenberg (damals noch Truppenübungsplatz) und der Rehag (Gelände zwischen Breinig und Rüst). Diese Zeit war unbeschwert und aufregend. Das war und ist bis heute Heimat und Geborgenheit. Das sind meine Gefühle wenn ich an meine Stadt denke und zwar im Gesamten. Nach der Kindheit auf dem Breinigerberg wohnte ich in Gressenich, Atsch, Büsbach und bis heute in Münsterbusch, also quer durch Stolberg.

Dovern: Ganz klar: Stolberg ist meine Heimat, hier lebt meine Familie und hier setze ich mich als Leiter der Feuerwehr bereits seit Jahren für meine Mitmenschen ein. Das Siechtum der Stadt bis zum Jahr 2014, die um sich greifende Perspektivlosigkeit und das sinkende Vertrauen hat mir deswegen auch persönlich sehr weh getan. Ich freue mich, dass Stolberg unter Bürgermeister Dr. Grüttemeier wieder zurück auf die Erfolgsspur gefunden hat und ich möchte die positive Entwicklung mit neuen Impulsen weiter fördern. Stolberg kann mehr, das weiß ich aus meiner täglichen Arbeit und als Bürgermeister möchte ich die Tatkraft, die Kreativität und die Einsatzbereitschaft der Bürgerschaft fördern und nutzen, damit unsere Stadt in Zukunft auch aus eigener Kraft noch weiterwächst und eine lebenswerte Heimat für alle Bürgerinnen und Bürger in allen Ortsteilen und für alle Generationen wird.

Welche persönlichen Eigenschaften kommen Ihnen als Bürgermeister zugute?Engelhardt: Eine Analyse der eigenen Person ist ja nun eher subjektiv und sollte daher Anderen überlassen werden. Ich will hier einmal versuchen, das auszudrücken, was ich bereits über mich gehört habe. Man sagt mir zum Beispiel nach: Teamfähigkeit, Hartnäckigkeit, vermittelnd, ausgeglichen und korrekt zu sein, manchmal verbissen. Wenn diese Eigenschaften zutreffen, bin ich überzeugt, dass ich damit gute Voraussetzungen für das Amt des Bürgermeisters mitbringe. In meinen über 40 Jahren als Polizeibeamter ist es mir immer gelungen, auch in brenzligen Situationen die Ruhe und den Überblick zu bewahren.

Dovern: Die Feuerwehr ist eines der größten Ämter der Verwaltung mit einer enormen Querschnittsfunktion. Keine Straße wird gebaut, ohne dass wir mit Blick auf die Rettungswege mitgeplant hätten, kein Kindergarten wird saniert, ohne dass wir das Brandschutzkonzept freigegeben haben und kein Stadtfest findet ohne unsere Einsatzkräfte statt. Ich kenne unsere Stadt bis in den letzten Winkel und bin es gewohnt auch nachts, an den Wochenenden und an Feiertagen einsatzbreit und abrufbar zu sein. Zuverlässigkeit, Belastbarkeit und das ehrliche und direkte Wort sind Dinge, die mir sehr wichtig sind und das Eigenschaften, die mir auch als Bürgermeister mit Sicherheit nicht schaden werden. Darüber hinaus sollten die Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden, wem sie ihr Vertrauen aussprechen. Nicht nur bis zum Wahltag, sondern auch in Zukunft werde ich jedenfalls in der Stadt unterwegs sein und ich freue mich sehr auf jedes Gespräch.

Haas: Seit 2008 habe ich in unterschiedlichsten Funktionen (Schulausschussvorsitzender, Fraktionsvorsitzender und stellv. Bürgermeister) Verantwortung übernommen und die Entwicklung der Stadt und zahlreiche Großprojekte mitgestaltet – von der politischen Entscheidung bis hin zur Umsetzung in Zusammenarbeit mit der Verwaltung. In dieser Zeit konnte ich zahlreiche Kontakte in Politik, Verwaltung und der Stolberger Gesellschaft knüpfen – ein Netzwerk, auf das ein Bürgermeister, der sich als Teamplayer versteht, angewiesen ist. Neben diesen Erfahrungen war meine Zeit als Bundesliga-Judoka in Bezug auf Fleiß, Disziplin und Teamfähigkeit besonders wichtig. Als Sportler lernt man aus den eigenen Fehlern und wie man dadurch stärker wird. Mit diesen Fähigkeiten will ich auch als Bürgermeister punkten.

Quelle: Super Sonntag 12.05.2019