Wahl: Nun geht es in die Verlängerung

Andreas Dovern und Patrick Haas treten in der Stichwahl gegeneinander an. Keine neuen Wahlbenachrichtigungen.

Foto: J.Lange

Stolberg Es ist der Tag nach der Bürgermeisterwahl, und nun steht vieles auf Neuanfang. Nach einem spannenden Wahl-Krimi geht es nun in die Stichwahl. Die findet am Sonntag, 16. Juni, statt. Bernd Engelhardt (FDP) schied nach dem ersten Wahlgang aus. Er erhielt mit 9,05 Prozent die wenigsten Stimmen. Zur Wahl stehen Patrick Haas (SPD) und Andreas Dovern (CDU).

Sie trennten 1986 Stimmen, was 7,93 Prozentpunkten entspricht. Dass es in einer Stichwahl knapp werden kann, zeigt die Wahl zum Städteregionsrat im vergangenen Jahr. Beim ersten Wahlgang lag in Stolberg Tim Grüttemeier mit 5373 Stimmen (32,55 Prozentpunkte) vor Daniela Jansen, in der Stichwahl waren es noch 4440 Kreuze (32,72 Punkte). Städteregionsweit schmolzen 17.635 Stimmen Vorsprung im ersten Wahlgang auf 6109.

Weitermachen lautet die Devise

Und wie war die Stimmung bei den Kandidaten am Tag nach der ersten Runde? Wie haben sie die Ergebnisse verfolgt? Und was werden sie in den kommenden Wochen tun, um die Stolberger noch einmal zu mobilisieren, wählen zu gehen? Der knapp gescheiterte Patrick Haas meinte gestern gegenüber unserer Zeitung: „Eine Verlängerung tut weh. Das kenne ich aus dem Sport. Aber nun heißt es weitermachen und zwar in allen Bezirken“, sagte er. Bereits in den vergangenen Tagen habe er eine „positive Stimmung“ bemerkt. „Ich bin froh, dass sich das auch in den Wählerzahlen ausgeschlagen hat“, erklärte er auf Nachfrage unserer Zeitung. Dennoch sei er positiv überrascht gewesen, dass die Stolberger seine Arbeit der vergangenen zehn Jahre wertgeschätzt hätten. „Es war wichtig, dass mich viele Menschen im Wahlkampf nicht zum ersten Mal gesehen haben. Ich war auch schon vorher ansprechbar“, meinte Haas.

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Dass dann am Ende nur ein „Wimpernschlag“ zum Sieg gefehlt habe und nun eine Stichwahl anstehe, sporne ihn für die kommenden Wochen noch einmal besonders an. „Ich hätte mich schon gefreut, wenn es geklappt hätte. Im Rathaus gibt es viel zu tun, und ich hätte damit gerne jetzt schon angefangen“, sagte er. Nun sei es in den kommenden drei Wochen bis zur Stichwahl umso wichtiger das Gespräch mit den Bürgern zu suchen und sich nicht zurückzulehnen.

Das sieht auch sein Konkurrent Andreas Dovern so. Für ihn war der Abend spannend, das Ergebnis allerdings kaum überraschend. „Wir haben von vorneherein mit einer Stichwahl gerechnet“, erklärte er gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. Mit seinem Ergebnis sei er zufrieden. „Wir gehen mit einem starken Ergebnis in die Stichwahl. Wir haben uns bis auf sieben Prozent Unterschied herangekämpft. Das ist ein sehr gutes Zwischenergebnis.“ Vor allem wenn man bedenke, dass er ein neues Gesicht in Stolbergs politischer Landschaft sei. Nach einer kurzen Verschnaufpause zu Beginn der Woche gehe es nun mit dem Wahlkampf weiter. Nun gelte es wieder viele Menschen zu erreichen und zu analysieren, an welchen Stellen nachgesteuert werden könne. „Nun bin ich für die kommenden Wochen noch mehr motiviert“, so Dovern weiter.

Kandidat Bernd Engelhardt hatte bereits am Wahlabend selbst verraten, dass er mit seinem Ergebnis „nicht unzufrieden“ gewesen sei, auch wenn er sich natürlich ein zweistelliges Endergebnis gewünscht hätte.

Patrick Haas dürfte in drei Wochen als Favorit in die Stichwahl gehen – zumindest, wenn man einen Blick auf die Ergebnisse aus Runde eins wirft. Haas sicherte sich 29 der insgesamt 36 Stimmbezirke. In 19 davon lag er mit über 50 Prozent vorne. Besonders aussagekräftig waren die Ergebnisse im Bezirk Unterstolberg II mit 57,23 Prozent und 119 Stimmen Vorsprung sowie im Stimmbezirk Oberstolberg mit 209 Kreuzen Vorsprung und 60,43 Prozent. Bemerkenswert ist auch der Vorsprung von 165 Stimmen (54,2 %) in Haas altem und zukünftigen Heimatbezirk Büsbach II. In Werth ging es besonders knapp aus. Eine Stimme trennte die Beiden: Dovern kam auf 45,26 Prozent und Haas auf 45,50 Prozent.

Andreas Dovern setzte sich in fünf Stimmbezirken durch: im Heimatort Gressenich (105 Stimmen Vorsprung), Schevenhütte (56), Zweifall (30), Venwegen (26), Dorff (11). Nur in Gressenich und Schevenhütte kam Dovern über die 50-Prozentmarke. Zudem holte er die beiden Briefwahlbezirke III (48) und IV (87), die eben diese Orte und zudem Mausbach und Teile Breinigs (Stimmbezirke 0901 bis 1101 bzw. 1201 bis 1501) umfassen.

In den Briefwahlbezirken I und II – von Atsch bis Unterstolberg sowie Oberstolberg und Donnerberg (SB 0101 bis 0401 bzw. 0501 bis 0802) sowie V und VI von Breinig über Büsbach bis zu Liester und Münsterbusch (SB 1601 bis 1801 bzw. 1901 bis 2201) lag Haas vorne. Teilweise aber nur knapp: mit zwei Stimmen in Liester/Münsterbusch, mit sechs Stimmen in Atsch/Unterstolberg und Breinig/Büsbach, deutlicher mit 69 Stimmen in Oberstolberg/Donnerberg.

Ein Desaster

Würde man die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl auf die Stadtratswahl projezieren, käme dies einem Desaster für die CDU gleich. Trotz Doverns Sieg in Dorff ginge der Wahlbezirk 17 Büsbach/Dorff (2014: Fritz Thiermann, CDU) mit 149 Stimmen Vorsprung an die SPD. Gleiches gilt für Venwegen/Breinig I (14) mit fünf Kreuzen Vorsprung; dort hatte 2014 Tim Grüttemeier (CDU) kandidiert, für den mit dem Gewinn des Bürgermeisteramtes als persönlicher Vertreter Günter Blaszczyk in den Stadtrat einzog. Unter dem Strich hätte die CDU nur den Wahlbezirk Gressenich/Schevenhütte (Marc Delzepich) direkt gezogen. Und damit hätte die Partei noch schlechter abgeschnitten als 2014 die SPD, die mit Dieter Wolf (02 Atsch II) Peter Jussen (11 Mausbach) und Helmut Grosche (22 Münsterbusch II) drei direkt Gewählte entsandte.

Und Bernd Engelhardt? Sein bestes Ergebnis erzielte er im Stimmbezirk Donnerberg V. Dort kam er auf satte 14,48 Prozent, was 21 Stimmen entspricht. Im Bezirk Mausbach II, in dem die Vichter Straße mit den stärksten Protesten gegen das KAG liegt, waren für den Liberalen mit 125 Stimmen 13,98 Prozent drin. In den Bezirken Münsterbusch II (84), seinem Wohnort, und Liester I (86) holte er über zwölf Prozent. Er hofft nun, sein Ergebnis von 2267 Stimmen (9,05 %) auf die Kommunalwahl im nächsten Jahr übertragen zu können. 2014 hatte die FDP mit 797 Stimmen 3,55 Prozent und zwei Sitze erobert.

Spannend war der Wahlabend definitiv. Bis kurz vor dem Ende der Auszählung lag Haas mit über 50 Prozent vorne. Dann kursierte im Ratssaal das Gerücht, es hätte eine Panne gegeben und ein Stimmbezirk müsse neu ausgezählt werden. Von einer Panne wusste Wahlamtsleiter Walter Wahlen gestern nichts. „Es hat alles prima geklappt“, erklärte er auf Nachfrage unserer Zeitung. Unstimmigkeiten habe es nicht gegeben.

Und was sagen die Vertreter der anderen Parteien zu dem Ergebnis in Stolberg? Dina Graetz, Fraktionsvorsitzende der Grünen, meinte: „Die Bürgermeisterwahl konnte nicht spannender werden. Der letzte Wahlbezirk war entscheidend für die Stichwahl. Nun sind wir auf die nächsten drei Wochen sehr gespannt und wünschen beiden Kandidaten eine erfolgreiche Zeit.“ Da Patrick Haas mit einer Mehrheit führe, sehe die Prognose für ihn gut aus. „Wichtig ist jedoch, die Stolberger noch einmal zu erreichen, damit sie zur Wahl gehen. Die Wahlbeteiligung für eine Bürgermeisterwahl war leider relativ niedrig. Wir hoffen, dass im Juni mehr Bürger wählen gehen, da jede Stimme Einfluss auf die Entscheidung nimmt“, so Graetz weiter.

Und wie zufrieden war sie mit dem Ergebnis der Europawahl? „Das Ergebnis ist wirklich erfreulich. In Stolberg sind wir deutlich drittstärkste Partei. Zudem ist dieses gesamte Ergebnis das Beste, das die Grünen je bei einer bundesweiten Wahl erreicht haben.“ Nun müsse man alles tun, um diesem Votum auch gerecht zu werden und konkrete Veränderungen umsetzen, damit Europa ökologischer, sozialer und demokratischer werde, so Graetz.

Zufrieden mit dem Ergebnis der Europawahl in Stolberg war auch CDU-Chef Jochen Emonds. Mit 32,46 Prozent habe man über dem Bundesdurchschnitt gelegen und damit ein gutes Ergebnis erzielt, vor allem weil ein Kandidat der SPD – Arndt Kohn – aus Stolberg komme, so Emonds weiter.

Ziele und Inhalte formulieren

Mit einer Stichwahl zwischen Dovern und Haas habe man auf Seiten der CDU übrigens gerechnet – vor allem nachdem klar war, dass auch die FDP einen Kandidaten aufstellen würde. Darauf hatten die Grünen und die Linken verzichtet. Nun komme es in den kommenden Wochen darauf an, die Stolberger noch mehr zu überzeugen und über die Ziele und Inhalte zu informieren. Schließlich stelle die CDU in Stolberg bereits seit einigen Jahren die Mehrheit im Stadtrat, und man wolle auch in Zukunft an die Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen – gemeinsam mit Kandidat Andreas Dovern.

Gabi Halili von den Linken meint: „In Stolberg haben sich die Wähler mehrheitlich für die Person Patrick Haas entschieden. Es handelt sich im Vergleich zur Europawahl, bei der die SPD erhebliche Stimmverluste einfuhr, in Stolberg um eine Persönlichkeitswahl.“ Haas habe die meisten Wähler überzeugen können und für die Stichwahl wünsche die Linke ihm den „wohlverdienten Erfolg“.

Offen bleibt derzeit allerdings, ob die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl wieder genauso hoch sein wird wie bei der ersten Runde am Sonntag. Eine neue Wahlbenachrichtigung gibt es von Seiten der Stadt nämlich nicht.

Stichwahl

Keine neuen Benachrichtigungen

In der Wahlbenachrichtigung vor dem ersten Wahlgang ist bereits auf die Stichwahl verwiesen worden. Wer am vergangenen Sonntag zur Wahlurne geschritten ist, dem wurde die Wahlbenachrichtigung wieder mit nach Hause gegeben.

Und was geschieht, falls diese versehentlich im Mülleimer gelandet ist? Kein Problem: Ein gültiger Personalausweis, Reisepass oder Führerschein reichten aus. Solange man sich ausweisen kann und auch als Wähler eingetragen ist, steht einer Stimmabgabe nichts im Weg.

Die Unterlagen für die Briefwahl werden nach dem Wahlausschuss, der am heutigen Dienstag tagt, verschickt.

Quelle: AZ:28.05.2019